Press Contact

Marco Lehner
Marketing Communications

TTTech Computertechnik AG
Schoenbrunner Strasse 7
1040 Vienna, Austria
pr@tttech.com

Visit our company profiles on LinkedIn and Google+ as well as our YouTube channel to always stay up-to-date with the latest news & events.

Digitalisierung zwingt Geschäftsmodelle auf den Prüfstand

Staatssekretär Harald Mahrer, Jochen Borenich v. Kapsch BusinessCom, Syngroup-Geschäftsführer Heinz Marx, Kurt Hofstädter v. Siemens, Nikolaus Kretz v. KK Composites u. Leadinvestor d. Curecomp Software Services sowie Georg Kopetz v. TTTech (v.l.n.r.)

Die Digitalisierung braucht Mut zur Veränderung von Abläufen und zu Investitionen, geänderte Einstellung in Management und Bevölkerung, die Vermittlung von Software als vierte Bildungskompetenz und eine Lockerung des staatlichen Korsetts. Das waren einige der Erkenntnisse eines Round Tables, der auf Initiative des größten österreichischen Beratungsunternehmens für die Industrie, der Syngroup, im Wirtschaftsministerium stattgefunden hat. Mit am runden Tisch: Staatssekretär Harald Mahrer, Kurt Hofstädter von Siemens, Mag. Jochen Borenich von Kapsch BusinessCom, Georg Kopetz von TTTech Computertechnik, Nikolaus Kretz von KK Composites sowie Syngroup-Geschäftsführer Heinz Marx.

„Die Digitalisierung entspricht einem Tsunami. Die Frage ist nur, ob ein Betrieb direkt getroffen wird oder nur am Rande“, stellte Heinz Marx als These in den Raum. Um die Welle reiten zu können, müssten die eigenen Produkte rasch und richtig weiterentwickelt werden. Das wäre der evolutionäre Einstieg in die unternehmerische Zukunft. Die Digitalisierung und der schrittweise Einstieg in die Industrie 4.0 böte auch die Notwendigkeit, Strategien zu überprüfen. Wenn sich dabei herausstelle, dass Produkte oder Dienstleistungen für die große Welle untauglich sind, sei es notwendig, sich radikal neu aufzustellen. Das wäre dann ein revolutionärer Veränderungsschritt. Das gilt auch, wenn das Geschäftsmodell von Dritten das eigene Geschäftsmodell beeinflusst. Dann sind rasch die geeigneten Schritte einzuleiten. Jedenfalls wäre es notwendig, bewusstseinsbildende Maßnahmen zu setzen, so der Syngroup-Chef. 

Er mache sich Sorgen, sagte Staatssekretär Mahrer, dass der Bewusstseinsstand nicht optimal ist und viele Unternehmer zu optimistisch sind, was die Zukunftstauglichkeit ihrer Geschäftsmodelle betrifft: „Es ist noch nicht angekommen, was alles digitalisier- und vernetzbar ist. Die Exportkaiser bieten Topqualität und sind in der Realität angekommen. Die nicht so sehr der globalen Konkurrenz ausgesetzten Unternehmen sind das aber noch nicht“, weiß Mahrer.

Zu viele Restriktionen vorhanden

Es gelte, aus der Wirtschaftsgeschichte zu lernen. Es habe immer wieder Sprünge in den Innovationszyklen gegeben. Die Geschwindigkeit auf dem Weg zur Industrie 4.0 sei aber viel schneller, weshalb sie aus seiner Sicht revolutionär und disruptiv sei, formulierte Jochen Borenich von Kapsch BusinessCom. Viele Bereiche stünden massiv unter Veränderungsdruck, unter anderem die Banken. Sie haben aber auch das Problem, dass sie durch viele Restriktionen und Vorschriften gebremst werden. Als Beispiel nannte Borenich die Videoidentifikation von Kunden, die Verträge online abschließen. Dazu gebe es 28 unterschiedliche Regelungen innerhalb der EU.

Der Diagnose, dass zu viel reguliert werde, stimmte Mahrer vollinhaltlich zu. Unternehmen bräuchten Beweglichkeit. In Österreich gebe es ein ganzes Set von Einschränkungen, die schädlich sind. Dabei sei alles, was das Korsett noch enger macht, ein Horror. Sehr plakativ formulierte der Staatssekretär: „Die Folterknechte der Neuzeit sind die Hüter der Regulatorien.“

Ein Beispiel für zu langsame Veränderungen sieht Georg Kopetz von TTTech Computertechnik in der Automobil-industrie. Bei der breiten Einführung von neuen Antriebssystemen sei es zum Beispiel nicht mehr 5 vor 12, sondern bereits 12 Uhr. Dies ist aber nur eine der gravierenden Veränderungen im wichtigsten europäischen Industriesektor, die durch die Digitalisierung jetzt maßgeblich beschleunigt werden. So wurde kürzlich der CEO eines der führenden amerikanischen Automobilhersteller von Studierenden in Stanford mit einem ganzen Bündel von Bedrohungs- und Chancenfeldern konfrontiert. Ein Automobilhersteller müsse sich demnach heute mit mindestens acht Veränderungsvektoren der Digitalisierung gleichzeitig beschäftigen, so Kopetz. Das erfordere eine neue Qualität des Managements.

Investitionsbereitschaft ist gefordert 

Weitgehende Einigkeit herrschte in der Runde auch darüber, dass es seitens der Unternehmen eine erhöhte Investitionsbereitschaft geben müsse: „Die Betriebe werden teilweise auf Rendite verzichten müssen, wenn sie in 5 Jahren noch technologisch vorne dabei sein wollen, stellte Heinz Marx fest und unterstrich, dass gerade Familienunternehmen ideale Voraussetzungen hätten, mit der Situation umzugehen, weil sie in der Regel langfristig denken und kurzfristig Entscheidungen treffen können. Einzig mit der Kultur, Fehler zu machen, müssten sie noch besser lernen umzugehen. Die Problematik sei aber, so Nikolaus Kretz, Eigentümer von KK Composites, einem oberösterreichischen KMU, dass gerade im Anlagenbau hohe Investitionssummen zu stemmen seien, von denen man aber nicht wisse, ob sie richtig angelegt sind. Ziele solcher Investments müssen auf der einen Seite das Alleinstellungsmerkmal, auf der anderen die Effizienz sein. Für die Unternehmen ergebe sich noch ein weiteres Problem, nämlich das fehlende Personal. Die Gehaltsvorstellungen seien hoch und wenn jemand weggehe, führe das zu Problemen, weil der erarbeitete Kompetenzvorsprung damit verloren geht, so Kretz.

Mitarbeiter mitnehmen und requalifizieren 

Ein brisantes Thema ist der Fachkräftemangel. Kurt Hofstädter sieht dafür gleich eine Vielzahl an Ursachen: Frauen fallen fast vollständig aus und auch junge Männer entscheiden sich viel zu selten für ein Technikstudium. An den Schulen fehle es an Mathematiklehrern, die das Fach plastisch und interessant vermitteln. Technikstudenten sollten Stipendien bekommen, die sie finanziell so unabhängig machen, dass sie nicht Zeit mit irgendwelchen Ferialjobs vergeuden müssen. „Das würde den Durchlass an den Universitäten und Fachhochschulen erheblich beschleunigen,“ so Hochstätter. Weitere Ideen, die helfen würden, den Fachkräftemangel in einem europaweit „trockenen“ Personalmarkt zu reduzieren, wären die Requalifizierung älterer Mitarbeiter, die Schaffung eines zweiten Bildungswegs und das Bekenntnis dazu, dass Software als „vierte Grundkompetenz“ (Kopetz) neben Rechnen, Schreiben und Lesen gesehen werden müsse. Dringend zu ändern sei auch die restriktive Praxis der Rot-Weiß-Rot-Card, stellte Harald Mahrer fest.

Finanzierungsproblem muss gelöst werden 

Um die guten Leute im Land halten zu können, brauche es eine Kombination aus Kapital, Wissenschaft, Unternehmen und Start-Ups. Drastisch sei das Problem der Finanzierung, so Georg Kopetz: „Da die Banken als  Partner für Risikofinanzierungen insbesondere im Technologiesektor nicht richtig organisiert sind, scheiden sie zunehmend als Finanziers aus.“ Es müsse deshalb immer mehr Eigenkapitalfinanzierungen geben. Für den Start eines Unternehmens gebe es durchaus brauchbare Werkzeuge, die Anschlussfinanzierung sei dann aber problematisch. Ein Lösungsansatz, den die Diskussionsrunde sieht, ist die Beteiligung an oder die Kooperation mit Start-Ups. Sie seien optimal aufgestellt, um einen konzeptiven Ansatz einmal ohne großes Risiko zu testen. Industriepartner wären dann in der Lage, die Ideen in die 7/24-Produktion umzusetzen.

Steuererhöhung wäre Gift für Investitionen

Eine Änderung des Steuersystems zugunsten von Innovationen und Arbeitsmarkt sei notwendig, erklärte Kurt Hofstädter. Kontraproduktiv sei es jedenfalls, wenn Investitionen durch neue Steuern belastet würden, sagte Heinz Marx: „Standortnachteile werden durch eine Maschinensteuer weiter verschärft. Es müsste Anreizsysteme für Investitionen geben statt Bestrafung“ Darin waren sich alle Beteiligten einig: „Die Staatsquote muss kleiner werden“, sagte etwa Niklaus Kretz. Harald Mahrer sprach davon, dass Steuererhöhungen jedweder Art „ein Supergift für Investitionen“ wären.

Zurück